Medieninformation zum Studienbericht «Energieziele der Schweiz»

Schweiz sagt ja zur Energiewende – glaubt aber nicht, dass diese bis 2050 erreicht wird. Eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer unterstützt die Einhaltung des Netto-Null-Ziels bis 2050 – eine noch grössere Mehrheit glaubt allerdings nicht, dass es erreicht werden kann. Die aktuelle Studie «Energieziele der Schweiz» zeigt auf, wie die Bevölkerung zum Klimaschutz steht, auf welche Energiequellen sie künftig setzen will und welche Erwartungen sie an klimafreundliches Verhalten stellt.

Mit der Annahme des Klima- und Innovationsgesetzes im August 2023 hat sich die Schweiz der Energiewende verpflichtet und will bis 2050 klimaneutral werden. Damit das gelingt, ist der Rückhalt innerhalb der Bevölkerung entscheidend. Eine im Auftrag von Avenergy Suisse vom Forschungsinstitut Sotomo durchgeführte repräsentative Umfrage zeigt nun aber, dass es mit dem Glauben der Schweizerinnen und Schweizer an die Energiewende nicht weit her ist: Eine grosse Mehrheit der Bevölkerung (85%) hält es nicht für wahrscheinlich, dass das Netto-Null-Ziel bis 2050 erreicht werden kann. Trotz allem sprechen sich 61% der Befragten dafür aus, am Netto-Null-Ziel festzuhalten. Auf dem Weg zur angestrebten Klimaneutralität wird dem technologischen Fortschritt besonders starkes Gewicht beigemessen: 91% sehen in ihm einen entscheidenden Hebel zur Eindämmung des Klimawandels. Bei konkreten Massnahmen geniesst der Ausbau erneuerbarer Energien mit 71% den grössten Rückhalt. Interessant: Rund die Hälfte der Schweizer Bevölkerung befürwortet das Netto-Null-Ziel nur, wenn auch andere emissionsstarke Länder ihren Beitrag leisten.

Persönliches Engagement eher eingeschränkt
Auch beim eigenen Verhalten zeigt die Schweizer Bevölkerung Zurückhaltung: Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten (53%) ist bereit, ihr persönliches Verhalten stärker am Klimaschutz auszurichten. Mit 52% ungefähr gleich hoch ist der Anteil derer, die bereit sind, für Energie aus erneuerbaren Quellen mehr zu bezahlen – 46% sind es nicht. Und: Die Hälfte der Befragten (50%) geht davon aus, dass die Energiewende den Wohlstand der Schweiz negativ beeinträchtigen wird.

Mehrheit empfindet mediale Berichterstattung als moralisierend
Die Debatte um den Klimawandel polarisiert die Bevölkerung: Während 40% der Befragten die öffentliche Debatte als verharmlosend einstufen, wird sie von einer knappen Mehrheit (53%) als zu dramatisierend empfunden. Befragt nach der medialen Berichterstattung über den Klimawandel ist das Urteil der Bevölkerung kritisch: 60% finden sie moralisierend – nur gut ein Drittel (35%) nehmen sie als sachlich wahr. Bemerkenswert: Sogar unter denen, die eine Bekämpfung des Klimawandels unterstützen, sehen 44% einen zu moralisierenden Charakter in der Berichterstattung.

Ohne Öl keine erfolgreiche Energiewende
Im Rahmen der Studie ebenfalls untersucht wurde die Bedeutung der einzelnen Energiequellen für die Versorgung heute und in Zukunft. Die Schweiz ist nach wie vor stark abhängig von Öl und Gas: Im Jahr 2024 stammte mehr als die Hälfte des Endverbrauchs in der Schweiz aus fossilen Energiequellen, 46% allein von Erdölprodukten. Die Studie zeigt nun aber, dass der Bevölkerung nicht bewusst ist, wie hoch dieser Anteil nach wie vor ist: Im Durchschnitt gingen die Befragten davon aus, dass Erdöl derzeit nur rund ein Viertel (26%) des gesamten Energieverbrauchs deckt. Trotz dieser Fehleinschätzung ist eine Mehrheit (56%) der Ansicht, dass fossile Energien heute noch nicht vollständig durch erneuerbare Energiequellen ersetzbar sind. Bemerkenswert: zwei Drittel (66%) der Befragten teilen die Aussage, dass das öffentliche Leben ohne fossile Energien heute weitestgehend stillstehen würde.

«Die Resultate unserer Erhebung zeigen, dass die Bevölkerung einen Wandel in der Energieversorgung der Schweiz hin zu erneuerbaren Quellen will und erwartet», bilanziert Sotomo-Geschäftsführer Michael Hermann. Wasserkraft und Sonnenenergie werden dabei neben der Atomenergie als tragende Säulen des künftigen Energiesystems angesehen. Gleichzeitig geht die Bevölkerung davon aus, dass fossile Energiequellen auch im Jahr 2050 weiterhin eine vitale Rolle in der Energieversorgung spielen werden. «Dennoch», so Hermann weiter, «hält die Bevölkerung das vollständige Erreichen des Netto-Null-Ziels nicht für realistisch. Entsprechend kommt sie zum ehrlichen Schluss, dass fossile Brenn- und Treibstoffe auch 2050 eine wichtige Rolle spielen werden.»


Für die Studie wurden zwischen dem 20. August und dem 3. September 2025 insgesamt 1’887 Personen befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die sprachintegrierte Wohnbevölkerung der deutsch- und der französischsprachigen Schweiz ab 18 Jahren.


Die Studie steht unter dem folgenden Link zum Download bereit.

Ueli Bamert, Leiter Kommunikation und Politik Avenergy Suisse

Heizen ohne CO2-Emissionen? Nur nichts überstürzen

Heizen ohne CO2-Emissionen? Nur nichts überstürzen

In letzte Zeit häufen sich in gewissen Kantonen die Aufforderungen von Heizungsinstallateuren an die Adresse der Immobilienbesitzer, ihre ältere Öl- oder Gasheizung schnell zu ersetzen. Dieser Aktivismus ist die Folge der kantonalen Energiegesetze, die den Austausch fossiler Heizungen in naher Zukunft entweder verhindern oder erschweren. Statistiken zeigen tatsächlich, dass Öl- und Gasheizungen zunehmend durch ähnliche Systeme ersetzt werden.

Handeln diese Personen unverantwortlich oder illegal, indem sie das Ziel ignorieren, dass die Schweiz bis 2050 klimaneutral sein soll? Mitnichten! Im Gegenteil zeugt der Entscheid, jetzt, im Jahr 2025, nochmals eine moderne Ölheizung zu installieren, von grosser Weitsicht. Erstens wird die neue, kondensierende Ölheizung deutlich effizienter arbeiten als die alte und folglich weniger Energie verbrauchen, weniger CO2 ausstossen und weniger Heizkosten verursachen. Zweitens ist davon auszugehen, dass das System bis zum Jahr 2050 durch ein neues, möglicherweise derzeit noch unbekanntes System ersetzt wird. Drittens spart man mit einer Ölheizung im Vergleich zu den meisten alternativen Systemen viele Investitionskosten.

Diese Mittel stehen dann zur Verfügung, um die Immobilie im Laufe der nächsten 25 Jahre zu ertüchtigen. Dies umfasst etwa die Isolierung der Gebäudehülle, oder der Ersatz von Radiatoren durch eine Bodenheizung. Sehr wahrscheinlich werden Ölheizungen anno 2050 sowieso mit erneuerbaren, klimaneutralen Heizölen betrieben. Statt heute in ein überteuertes Flickwerk zu investieren – etwa in einem alten, schlecht isolierten Haus eine Wärmpumpe zu installieren – betreibt man mit dem Kauf einer modernen Ölheizung vernünftigen, vorausschauenden Klimaschutz und erreicht damit das Netto-Null Ziel bis zur Jahrhundertmitte ohne überstürzte Experimente.  

Roland Bilang, Geschäftsführer Avenergy Suisse

Wirtschaftlichkeit in der Energiewende

Wirtschaftlichkeit in der Energiewende

Bei Kaufentscheidungen im Trilemma Wirtschaftlichkeit-Versorgungssicherheit-Ökologie gibt die Wirtschaftlichkeit den Ausschlag.

Untergangsszenarien
Verschiedene Gruppierungen aus der Wissenschaft, den NGO und den politischen Parteien malen uns ein Bild an die Wand, nach dem wir bei Weiterführung unseres zivilisatorischen Lebensstils die Erde schon bald überhitzen und unbewohnbar machen würden. Deshalb wird von diesen Gruppierungen gefordert, schon bald, wenn nicht sofort, unsere industrielle Basis, die Logistik und die Art der Nahrungsmittelproduktion komplett zu verändern, und sollte dies nicht möglich sein, auf die entsprechenden Güter und Dienstleistungen zu verzichten.

Freude am Leben überwiegt
Würde die Bevölkerung die Warnungen ernst nehmen, gäbe es wohl kaum noch Staus auf den Strassen, sehr viel weniger Flugverkehr und generell weniger Konsum von Gebrauchsgütern. Der Menuplan enthielte kaum noch Fleisch und Milchprodukte und in der Mobilität wären neben dem ÖV und den Fussgängern vor allem Velofahrerinnen und Elektromobile anzutreffen. In der Realität ist davon wenig zu spüren. Selbstverständlich haben die ökologischen Varianten von Produkten und Dienstleistungen einen hohen Stellenwert und werden entsprechend auch nachgefragt, wie beispielsweise beim Solar-Boom im Liegenschaftsbereich. Zu Recht sind bei den Kaufentscheiden aber nach wie vor Qualität, Preis und die Freude am Erworbenen die ausschlaggebenden Kriterien. Anders liesse sich nicht erklären, weshalb Ferien-Flugreisen, grosse Autos, Massenindustriegüter aus fernen Kontinenten (z.B. China) und Fleischspeisen bei uns und im Rest der Welt ungebrochen beliebt sind.

Nüchterne Kaufentscheide
So ist es auch bei der individuellen Mobilität auf der Strasse. Neben dem Preis für Autos und Energieträger wie Treibstoffe oder elektrischen Strom geben der Komfort und die Verfügbarkeit die Richtung für das Kauf- und Nutzungsverhalten vor. Öffentlich Autobatterien Aufladen ist noch immer mit Zusatzaufwand verbunden, weshalb das Marktwachstum der Elektromobile ins Stocken geraten ist. Wie differenziert Kaufentscheide funktionieren, zeigen die Neuimmatrikulationen von Elektromobilen im Jahr 2024: Die Verkäufe von neuen „Steckerfahrzeugen“ (voll-elektrisch oder Plug-in Hybride) gingen um mehr als 10% zurück, während die Hybrid-Antriebe um 17% zulegten. Auch absolut schlagen die Hybride (80‘513) die Steckerfahrzeuge (66‘942) deutlich. Das bedeutet aber auch, dass die verkauften Fahrzeuge mit einem Treibstofftank mit 172‘570 Einheiten das weitaus grösste Segment aller verkauften Fahrzeuge (239‘535) darstellten, obwohl deren Motoren Kohlendioxid ausstossen1 . Die Konsumentinnen und Konsumenten scheinen bei ihren Kaufentscheiden vom Klimawandel wenig beeindruckt zu sein, sondern wählen die Angebote aus, die ihnen das beste Preis-Leistungsverhältnis versprechen.

Person
Daniel Hofer ist Präsident von Avenergy Suisse, dem Verband der schweizerischen Mineralölbranche. Avenergy Suisse vertritt die Interessen der Importeure flüssiger Brenn- und Treibstoffe. Die 29 Verbandsmitglieder gewährleisten die Versorgungssicherheit mit Benzin, Diesel, Heizöl und anderen Mineralölprodukten – den wichtigsten Energieträgern des Landes.

1 Quelle: Pressemitteilung Auto Schweiz vom 3. Januar 2025

Die Schweiz auf dem Siegerpodest

Die Schweiz auf dem Siegerpodest

Beinahe hätte die Schweizer Fussballnationalmannschaft an der EM den Sieg gegen England geholt und ihren Weg unter die Spitzenteams von Europa fortsetzen können. Anderswo zählt die Schweiz bereits seit Jahren zu den weltweit Besten, ohne dass die Öffentlichkeit davon besondere Notiz nimmt. Die Rede ist vom Energie-Trilemma, eine vom Weltenergierat im Jahr 2010 geschaffene Messgrösse für die Energielage eines Landes.

Der Trilemma-Index beschreibt den Konflikt zwischen den drei energiepolitischen Zielen «Energie­versorgungs­sicherheit», «Zugang/Bezahlbarkeit» sowie «Ökologische Nachhaltigkeit». Alljährlich erfolgt ein Ranking von rund 130 Ländern in Bezug auf ihre Fähigkeit, das Energie-Trilemma zu bewältigen. Seit Jahren ist die Schweiz zusammen mit Dänemark, Schweden und Finnland in den Top Vier platziert, häufig auf Platz eins. Besonders gut schneidet unser Land jeweils beim Kriterium «Zugang/Bezahlbarkeit» ab. Wir verfügen jederzeit über eine sichere und bezahlbare Energieversorgung. Gerade die Kosten für fossile Energieträger sind gemäss Landesindex der Konsumentenpreise in den vergangenen Jahren im Verhältnis zu den übrigen Lebenshaltungskosten stets gesunken. Bei der Bewertung der ökologischen Nachhaltigkeit führen die Schweiz, Schweden und Norwegen. Der Weltenergierat schreibt dazu: Diese Länder haben auf Energieef  zienz gesetzt, diversifizierte kohlenstoffarme Energiesysteme eingeführt und effektive politische Instrumente eingesetzt, um die Treibhausgasemissionen deutlich zu reduzieren. Welch ein Widerspruch zum Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte gegen die Schweiz!

Der Bedeutung der Bewertung durch den Weltenergierat liegt sowohl in der Gesamtbetrachtung der Energiesysteme als auch im langfristigen Vergleich der Entwicklungen in zahlreichen Ländern. Bezüglich der Versorgungssicherheit erhält die Schweiz ebenfalls Jahr für Jahr gute Noten, doch dürfte dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen, dass diese in den kommenden Jahren gefährdet ist. Der langjährige Podestplatz sollte uns nicht dazu verleiten, uns auf den Lorbeeren auszuruhen. Für die insgesamt gut abschneidenden europäischen Staaten halten die Autoren des kürzlich publizierten 15. Trilemma-Berichts denn auch eine Warnung bereit. Zwar konnte Europa den unmittelbaren Energieengpass nach dem Ausfall der russischen Versorgung meistern. Die langfristige Strategie vieler europäischer Staaten birgt laut dem Weltenergierat allerdings Risiken wie geringere Wettbewerbsfähigkeit, höhere Energiekosten und den Verlust technologischer Vorteile, was eine Deindustrialisierung zur Folge haben könnte. Dann wäre die Zeit der Podestplätze vorbei. Unser heutiges Energiesystem verdient politische Entscheide, die mit Bedacht gefällt werden und alle Dimensionen des Energie-Trilemmas berücksichtigen.